Politische Theorie der Revolution

Das Seminar

Das Seminar wurde im im Wintersemester 20/21 an der Universität Heidelberg als Masterseminar angeboten. Den Kurs habe ich als asynchrones Online-Seminar via Moodle angeboten, um Studierenden Flexibilität zu ermöglichen. Der Kurs wurde von den Studierenden sehr gut evaluiert und hat auch mir viel Freude gemacht - insbesondere die Kreativität, die die Studierenden beim Erstellen der Referate und beim Bearbeiten derselben an den Tag legten sowie die Diskussionen auf hohem Niveau haben mich beeindruckt.

Der Syllabus und alle hier von mir hochgeladenen Inhalte können gerne unter der Lizenz CC BY-SA weiterverwendet werden. Ich freue mich auch über E-Mails mit Fragen und Anregungen!

Ankündigungstext

Im Vorlesungsverzeichnis wurde der Kurs wie folgt angekündigt:

„Florian Grosser (2018) stellte kürzlich die „Rückkehr der Revolution in den Rang eines politischen Schlüsselphänomens und Kampfbegriffs“ (ebd., S. 12) fest und diagnostizierte, dass „das Problem der Revolution für das politische Denken entschieden an Bedeutung gewinnt“ (ebd., S. 13). Diese Bedeutung wollen wir im Seminar gemeinsam erfassen.

Wir werden uns dafür zu Beginn mit verschiedenen Theorien auseinandersetzen, die das Konzept „Revolution“ analysieren und systematisieren, um nachzuvollziehen, wie die Idee der Revolution das Denken über Politik und das Politische prägt, und wie die Revolution von verwandten Phänomenen wie Rebellion, Revolte oder Transformation abzugrenzen ist. Im weiteren Verlauf des Semesters werden wir unterschiedliche historische und zeitgenössische revolutionäre (u. a. antikoloniale, anarchistische, kommunistische, feministische) Theorien lesen und diskutieren - auch in Bezug auf ihre aktuelle Relevanz.

Das Referat findet als Online-Seminar statt, das primär auf asynchrones Arbeiten ausgerichtet ist. Die Bereitschaft zum wöchentlichen Lesen der Texte und zum eigenverantwortlichen Arbeiten wird deshalb vorausgesetzt.“

Syllabus

Hier findet sich der Leitfaden, wie ich ihn den Studierenden zu Beginn des Semesters zur Verfügung gestellt habe.

Sitzungsthemen und -texte waren:

Willkommen & Organisatorisches

Was ist Revolution

  • Platt, Martin. 2019. Revolution? Zwischen kontrafaktischer Norm und wissenschaftlicher Analysekategorie. Deutschland 1918/19. In Komplexität und Wahrheit, Hrsg. Gerrit Dworok, und Thomas Exner, 177–214. Baden-Baden: Nomos. S. 183–199.
  • Selbin, Eric. 2010. Revolution, rebellion, resistance: the power of story. London: Zed Books. S. 10–22.

Revolution und politische Theorie

  • Grosser, Florian. 2018. Theorien der Revolution zur Einführung 2., überarbeitete Aufl. Hamburg: Junius. S. 9–29, 170–176.

Demokratische Revolution

  • Condorcet, Jean Antoine Nicolas de Caritat de. 1793/2010. Über die Bedeutung des Wortes „Revolutionär“. In Freiheit, Revolution, Verfassung: kleine politische Schriften, Hrsg. Daniel Schulz, 153–157. Berlin: Akad.-Verl.
  • Paine, Thomas. 1791. Rights of Man, abrufbar unter: https://en.wikisource.org/wiki/Rights_of_Man#Conclusion.

Demokratische Revolution II

  • Arendt, Hannah. 1965. Krieg und Revolution. Merkur 19(1):1–19.

Kommunistische Revolution I

  • Marx, Karl und Engels, Friedrich 1848/1972. Manifest der Kommunistischen Partei. MEW 4, S. 461–482.
  • Adamczak, Bini. 2017. Beziehungsweise Revolution: 1917, 1968 und kommende. Berlin: Suhrkamp. S. 258–274.

Kommunistische Revolution II: Reform vs. Revolution

  • Luxemburg, Rosa. 1899/2019. Sozialreform oder Revolution. Berlin: association 14a. S. 57– 65.
  • Holloway, John. 2002. Zapatismo and the Social Sciences. Capital & Class 26(3):153–160.

Anarchistische Revolution

  • Kropotkin, Peter. 1919. Die Eroberung des Brotes: Wohlstand für alle. Berlin: Der Syndikalist. S. 13–27.
  • Goldman, Emma. 2009. My Further Disillusionment in Russia. The Anarchist Library. S. 60–66.

Antikoloniale Revolution

  • Fanon, Frantz. 1961/2018. Die Verdammten dieser Erde. Frankfurt am Main: Suhrkamp. S. 29–63, 72.

Konservative Revolution

  • Moeller van den Bruck, Arthur. 1923. Das dritte Reich. Berlin: Der Ring. S. 1–12
  • Lenk, Kurt. 1989. Deutscher Konservatismus. Frankfurt am Main: Campus. S. 139–155

Feministische Revolution

  • Federici, Silvia. 2012. Wages against Housework. In Revolution at point zero: housework, reproduction, and feminist struggle, 15–22. Oakland, CA: PM Press.
  • The Combahee River Collective. 2014. A Black Feminist Statement. Women’s Studies Quarterly 42(3/4):271–280.
  • Preciado, Paul B. 2018. Letter from a trans man to the old sexual regime. Texte zur Kunst.

Die Zukunft der Revolution

  • Brown, Wendy. 2005. Edgework. Princeton: Princeton University Press. S. 98-115

Methoden

Das Seminar setzte stark auf eigenständiges Arbeiten der Studierenden und sollte zugleich auch asynchron gute Diskussionen ermöglichen.

Input

Die ersten und letzten Sitzungen zu allgemeineren Themen wurden von mir mit Hilfe von z.B. interaktiven Videos (realisiert mit h5p), Moodle-Foren und Kialo-Diskussionen gestaltet. Ein paar Beispiele finden sich auf Twitter.

Referate

Die Sitzung zu einzelnen revolutionären Theorien wurden hauptsächlich von den Studierenden durch Referate gestaltet, ich habe jeweils nur ein kurzes Inputvideo zum historischen und/oder biographischen Kontext der jeweiligen Texte hochgeladen. Die Studierenden waren aufgerufen, in ihren Referaten über die gelesenen Texte hinaus zu denken und eigene Gedankengänge auszuarbeiten, um dann eigene kreative Aufgabenstellungen für die Kommiliton*innen zu erstellen. Im Laufe der Woche sollten die Studierenden also

  • Mein Inputvideo anschauen
  • die Texte lesen
  • die Referatsinputs anschauen oder lesen
  • die Aufgabenstellung des Referats bearbeiten (z.B.: eigene Utopie entwerfen, ein Glossar erstellen, einen Slogan für die eigene Revolution festlegen und mit anderen darüber diskutieren, etc.)